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Hirsutismus und PCOS – Die männliche Behaarung bei der Hormonimbalance

Hirsutismus ist für mich und einer Vielzahl an Frauen ein sehr empfindliches Thema!

Es war der Grund, warum ich mit 12 Jahren von Jungs ausgelacht worden bin. Es war der Grund, warum ich mit 14 das erste Mal die Pille verschrieben bekommen habe. Es war ein Grund, warum ich mich ab meinem 21. Lebensjahr geschämt habe bei Sonnenlicht das Haus zu verlassen.

Es fängt an mit einem kleinen Fläumchen auf der Oberlippe, dann ein kleines schwarzes dickes Kinnhaar. Auf einmal sind da zwischen den weißen Haaren an der Wange, schwarze Härchen. Du zupfst ein Haar heraus. Es wachsen drum herum 5 neue Haare. Wer kennt es? Du weißt bestimmt wie sich das anfühlt.

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Was ist Hirsutismus?

Hirsutismus ist eine männliche Körper- und Gesichtsbehaarung bei Frauen. Es wachsen dickere schwarze Härchen auf der Brust, am Rücken, den Armen, Beinen, dem Bauch und im Gesicht. Assoziiert wird Hirsutismus mit einem Überschuss an Androgenen.

Es gibt drei verschiedene Arten von Haaren:

  1. Lanugohaare (auch Wollhaare): Dies ist ein Haarflaum, der den Fötus bedeckt und dient als Schutz des  Ungeborenen.
  2. Vellushaare: Diese ersetzen die Lanugohaare, es weist nur eine geringe Pigmentierung auf und bedeckt die gesamte Körperoberfläche mit einigen Ausnahmen (z.B. Fußsohle).
  3. Terminalhaare: Im Laufe der Entwicklung werden aus Vellushaaren Terminalhaare gebildet. Bei Frauen werden normalerweise etwa 45% der Vellushaare in Terminalhaare umgewandelt. Diese Umwandlung entsteht durch Androgene. Terminalhaare sind beispielsweise Wimpern, Augenbrauen und deine Haare auf dem Kopf.

Haarfollikel bilden sich in der pränatalen Entwicklung. Es ist genetisch veranlagt, wie viele Haarfollikel du hast. Weiteres variiert die Anzahl deiner Haarfollikel nach ethnischer Herkunft. Denn rund 60-80% der amerikanischen PCOS Frauen haben Hirsutismus im Vergleich zu 20% japanischer PCOS Frauen.

Wie wird Hirsutismus verursacht ?

Wie bereits oben erwähnt, ist einer Grund für Hirsutismus ein Überschuss an Androgenen und die häufigste Ursache für einen Überschuss an Androgenen ist das PCOS.  Ein Überschuss an Androgenen sorgt dafür, dass mehr Vellushaare in Terminalhaare umgewandelt werden. Der Prozess der „Terminalisierung“ dauert einige Wachstumszyklen. In dieser Zeit der Umwandlung ist der Prozess noch umkehrbar. Danach ist er nicht mehr umkehrbar.

Die Ursachen des Hirsutismus können unterteilt werden in 1) solche, die mit nicht-androgenen Faktoren zusammenhängen (d.h. nicht mit einer übermäßigen Androgenwirkung), 2) solche, die mit einem Androgenüberschuss zusammenhängen, und 3) idiopathischer Hirsutismus.  Nr.1 ist sehr selten, wohingegen der Androgenüberschuss 75-85% der Fälle ausmacht. Idiopatischer Hirsutismus äußert sich auch durch normale bis leicht erhöhte Testosteronwerte, jedoch ohne weitere Erkrankungen.

Ursachen des Hirsutismus

  • zu viele Androgene werden durch die Ovarien produziert (PCOS, Tumor)
  • hohe Sensitivität der Haarfollikel zu Androgenen
  • zu viele Androgene werden durch die Nebennieren produziert
  • Insulinresistenz 
  • Cushing Syndrom (Produktion eines Übermaßes an Cortisol durch die Nebenniere)
  • bestimmte Medikamente (z.B. Steroide)
  • Menopause

Es gibt weitere Ursachen, die oben nicht genannt worden sind. Die häufigste Ursache ist jedoch PCOS.

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Wie wird Hirsutismus diagnostiziert?

Wenn du schwarze dicke Haare an Stellen hast, die untypisch für Frauen sind, solltest du zum Arzt gehen. 

Zur Bestimmung der Stärke des Hirsutismus kann der Ferriman-Gallway-Index herangezogen werden. Hier wird für 9 Regionen des Körpers der Grad an Behaarung auf einer Skala von 0-4 beschrieben. Bei der Summe von mind. 8 wird Hirsutismus diagnostiziert.

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Diagnose PCOS

Zur Diagnose von PCOS nutzen Ärzte die Rotterdam Kriterien. 2 von 3 Kriterien müssen bei der Frau zutreffen, um eine PCOS Diagnose zu bekommen. Du solltest testen lassen, ob du PCOS hast. Denn es kann sein, dass du vermehrten Haarwachstum hast ohne dass du von PCOS betroffen bist.

Überschuss an Androgenen, Ausbleiben der Periode und polyzystische Ovarien sind Kriterien für PCOS.

Frauen mit PCOS haben oft einen zu viele männliche Hormone. Dies wird anhand eines Bluttests festgestellt. Um sicherzugehen, dass dein Hirsutismus durch PCOS verursacht ist, sollte dein Arzt dein Blut auf erhöhte männliche Hormone wie Testosteron und DHEA-S sowie niedrige SHBG Level achten.

Deutlich erhöhte Testosteron- und DHEA-S-Werte können auch mögliche Indikatoren für einen Tumor der Eierstöcke oder der Nebennieren sein.

Sobald dein Arzt festgestellt hat, was nicht in Ordnung ist, kann er einen Behandlungsplan vorstellen.

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Wie kann Hirsutismus behandelt werden?

Um Hirsutismus zu behandeln muss meistens dein Level an männlichen Hormonen gesenkt werden. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wie medizinische, natürliche und kosmetische Behandlungen. Ich werde auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten eingehen.

Medizinische Behandlungen

Hier liste ich die Möglichkeiten auf, das sind keine Empfehlungen sondern nur die objektiven Möglichkeiten. Medizinische Behandlungen sind immer mit Nebenwirkungen verbunden. Du solltest dies mit deinem Arzt absprechen!

  • Eflornithin – verzögert das Haarwachstum, die Creme wird 2x täglich aufgetragen. Nach dem Absetzen kommen die Haare innerhalb von 2 Monaten wieder zurück
  • Cyproteronacetat und Chlormadinonacetat – Blockieren den Androgenrezeptor, werden als orale Kontrazeptiva verschrieben (die „Pille“)
  • Flutamid – Antiandrogen, verhindert die Wirkung der Androgene an den Zellkernen. Kann toxisch auf die Leber wirken
  • Finasterid – hemmt die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron. Nebenwirkungen können Unfruchtbarkeit und Brustkrebs sein.
  • Spironolacton – wirkt den Androgenen entgegen. 200 mg täglich können innerhalb von zwei Monaten das Wachstum deutlich verringern.
  • Drospirenon – ähnlich wie Spironolacton, zusätzliche gestagene Wirkung

Medikamente und Cremes, die eine antiandrogene Wirkung haben, können fruchtschädigend sein. Zusätzlich ist auf Leberschädigungen zu achten.

Weiteres können Insulin-Sensitizer bei Hirsutimus zur Behandlung verwendet werden.

Natürliche Behandlungen

Mein Favorit ist die Ernährungsumstellung. Dazu ist mein Motto: Ernährung ist Medizin. Keine Pille oder Medikation kommt gegen das Wundermittel Ernährung ran. Mit der Kombination aus Sport und Stressmanagement bist du immer auf der richtigen Seite und kannst somit die Ursachen des Hirsutismus kontrollieren!

Krauseminze bzw. Nanaminze oder grüne Minze scheint eine androgensenkende Wirkung zu haben. Es gibt einige Studien, die zeigen, dass durch das Trinken von Krauseminze-Tee*, das Haarwachstum zurückgehen kann. Da der Tee keine Nebenwirkungen hat und positive Wirkungen auf andere Bereiche haben kann, hast du nichts zu verlieren, wenn du es ausprobierst.

Kurkuma Gesichtsmaske – in der ayurvedische Medizin wird diese Gesichtsmaske seit Langem angewendet. Es gibt leider keine Studien dazu, jedoch kann man dies auch einfach ausprobieren ohne fatale Nebenwirkungen zu erwarten.

Kosmetische Behandlungen

Haare rasieren – die schnellste, schmerzloseste und einfachste Methode bei Hirsutismus. Jedoch kann es im Gesicht zu Irritationen kommen. Da PCOS Frauen auch zu Akne neigen, sollte eher nicht mit einem Rasierer ans Gesicht gegangen sind. Falls du doch im Gesicht rasieren möchtest, empfehle ich dir einen eigenen Rasierer für das Gesicht zuzulegen. Außerdem gibt es tolle Gesichtsrasierer. Diese nutze ich wenn es mal schnell gehen muss. 

Gesichtsrasierer *

Haare epilieren – meine Lieblingsmethode, wenn es um die Haarentfernung geht. Die Haare bleiben für einige Wochen weg und es macht die Haut ist weicher. Wer sich an den Schmerz gewöhnen könnte, wird diese Methode lieben! Ich habe einen Epilierer, den man unter Wasser und in der Dusche verwenden kann. Dadurch ist die Behandlung weniger schmerzhaft. 

Ich benutze den Braun Silk-épil 9*

…und für das Gesicht den Braun Face Gesichtsepilierer mit Gesichtsreinigungsbürste SE810*

Haare waxen lassen – ähnlich wie das Epilieren, schmerzhaft und gewöhnungsbedürftig. Es kann auch hier zu Hautirritationen kommen. Jedoch hat man nach dem Waxen seine Ruhe für 3-4 Wochen! Außerdem gibt es verschiedene Methoden, wie das Warmwaxing, Kaltwaxing, Sugarwaxing etc.

Haare lasern lassen – diese Methode ist ziemlich kostspielig. Ich habe meine Beine sowie mein Gesicht mit 6 Behandlungen lasern lassen. Im Gesicht hat es leider keine Wirkung erzielt und auf den Beinen habe ich einen minimalen Unterschied bemerkt. Beim Lasern ist es individuell, es gibt auch Frauen, die sehr überzeugt davon sind. Außerdem hängt es natürlich auch von der Technik des Studios ab!

Haare bleichen lassen – ist eine kurzfristige Methode und kann zu Hautirritationen führen. Ich würde es nicht empfehlen, vor allem da auch hier viel Chemie im Spiel ist.

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Wie gehst du mit deiner Gesichtsbehaarung um? Hast du Probleme damit? Stört es dich? Oder ist es dir egal?

Lass mir ein Kommentar da mit deiner Meinung!

Liebe Grüße 

Caro 🙂

Quellen zum Nachlesen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0029784402027254

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1521693404000975#BIB10

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1 Kommentar zu „Hirsutismus und PCOS – Die männliche Behaarung bei der Hormonimbalance“

  1. Erstmal super toller Blogeintrag!
    Ich hab sehr lange gebraucht um etwas dagegen zu tun, da ich gerade deswegen gemobbt wurde, Sätze wie „du mannsweib“ wurden mir zugesprochen, weshalb ich dann auch monatelang kaum aus dem Haus ging. Ich hab jegliche Behandlung ausprobiert gehabt, wobei einige mich auch ausgenutzt haben und mir damit einfach nur Geld aus der Tasche gezogen hatten. Ausprobiert hatte ich: Heißwachs im Kosmetik Studio, ipl im Studio und zuhause, Pinzette, Rasierer, Enthaarungscreme, Bleichmittel, Enthaarungsmittel-schleifpapier, Epilierer und Kaltwachsstreifen. Als ich Androcur im Zusammenhang mit der Pille verschrieben bekommen hatte, ging mein Haarwuchs innerhalb von 2 Monaten sichtbar zurück, aber nicht weg! Nach 16 Jahren bin ich dann doch nochmal zur Kosmetikerin, und hatte ein tolles SHR Studio gefunden, bei dem es gut half und ich zum ersten Mal mein Hals zum Sonnen gestreckt habe! Ich habe mich noch nie so gut gefühlt gehabt. Da es auf Zeit, natürlich auch kostspielig war, hab ich wieder auf den alten guten Rasierer gesetzt. Wenn etwas bevorsteht bin ich natürlich gründlicher, sonst mache ich für den Alltag die paar Härchen weg die im Gesicht oder am Hals stören schnell weg. Im groß und ganzen stört es mich nichtmehr so extrem wie früher, nur noch wenn ich längere Zeit weg bin, beispielsweise im Urlaub. Aber seitdem ich offener mit dem Thema umgehe, und einige Gespräche mit anderen Frauen führte, die das selbe Problem mit sich tragen, aber kein PCOS haben, hat es mich sehr stark gelockert. Hinzu unterstützt mich mein Partner und lässt mich nicht dadurch seltsam fühlen, sondern “sieht“ es nicht einmal, was ich früher sofort weg gemacht hätte oder mich gar nicht hätte anfassen lassen, zB am Kinn oder an den Wangen. Also mein Fazit, stören wird es mich wahrscheinlich irgendwie immer, da es mich in meiner Kindheit sehr geprägt hat, aber gleichzeitig ist es mir egal, weil ich auch nur ein Mensch mit gewissen Problemen bin, wie jeder andere auch. 🥰

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