Endokrine Disruptoren können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Endokrine Disruptoren PCOS

Die Änderungen des Lebensstils sind der wichtigste Behandlungsansatz für Menschen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS). Zu diesen Änderungen der Lebensweise gehören Ernährungsumstellung, Nahrungsergänzungsmittel (Inositol und co.) und körperliche Betätigung sowie Stressbewältigung und Schlafhygiene. Aber nicht nur diese Punkte wirken sich auf deine Hormone aus. Endokrine Disruptoren (Chemikalien, die sich auf die Hormone auswirken) haben einen großen Einfluss auf dein PCOS und deine Hormonbalance.

Wie können Chemikalien sich auf die Hormone auswirken und was Frauen mit PCOS über die endokrinen Disruptoren wissen müssen, wirst du in diesem Beitrag erfahren.

Was sind Endokrine Disruptoren (ED)?

Endrokrine Disruptoren sind hormonaktive Substanzen, Umwelthormone oder Xenohormone. Diese sind in unserer Umwelt allgegenwärtig, z. B. in den Behältern der Lebensmittel, die wir essen, und in den Flaschen mit den Getränken, die wir trinken. Sie sind sogar in unserem täglichen Shampoo und in dem Spielzeug, mit dem unsere Kinder spielen, enthalten. 

Chemikalien wie Bisphenol A (BPA), Phthalate, Umweltverschmutzung, Pestizide und Industriechemikalien imitieren, blockieren oder stören die Wirkung von Hormonen beim Menschen und schaffen so die Voraussetzungen für Krankheiten, die die Gesundheit künftiger Generationen beeinträchtigen können.

Aber auch in der Medizin werden endokrine Disruptoren eingesetzt (z.B. Antibaby-Pille).

Diese Stoffe können schon in geringsten Mengen Schäden auslösen und die Gesundheit durch Veränderung des Hormonsystems schädigen.

Es wird als erwiesen angesehen, dass ED unter anderem an der Entstehung von Brust- und Prostatakrebs, Unfruchtbarkeit, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen sowie neurologischen, neurodegenerativen und psychischen Erkrankungen beim Menschen beteiligt sind.

 

Beispiele für häufige endokrine Disruptoren: 

Bisphenol A (BPA) – ein bekannter Stoff, der zur Herstellung von Polycarbonatkunststoffen und Epoxidharzen verwendet wird, die in vielen Kunststoffprodukten, einschließlich Lebensmittelbehältern, enthalten sind

Dioxine – entstehen als Nebenprodukt bei der Herstellung von Herbiziden und beim Bleichen von Papier; sie werden auch bei der Müllverbrennung und bei Waldbränden in die Umwelt freigesetzt

Parabene werden verwendet, um die Haltbarkeit vieler Kosmetik- und Körperpflegeprodukte zu verlängern. Oft in Shampoos enthalten

Perfluoralkyl- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) – werden häufig in industriellen Anwendungen eingesetzt, z. B. in Feuerlöschschäumen und Antihaftbeschichtungen für Pfannen, Papier und Textilien

Phthalate – ist ein Weichmacher und bestimmt 70% des Marktanteils. Es wird verwendet, um Kunststoffe flexibler zu machen, und sind auch in einigen Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Kinderspielzeug und medizinischen Geräten enthalten

Polybromierte Diphenylether (PBDE) – werden zur Herstellung von Flammschutzmitteln für Haushaltsprodukte wie Möbelschaum und Teppiche verwendet

Polychlorierte Biphenyle (PCB) – werden bei der Herstellung von elektrischen Geräten wie Transformatoren sowie in Hydraulikflüssigkeiten, Wärmeübertragungsflüssigkeiten, Schmiermitteln und Weichmachern verwendet

Triclosan – kann in einigen antimikrobiellen Produkten und Körperpflegemitteln, wie z. B. flüssigen Körperwaschmitteln, enthalten sein

Diese Chemikalien können in unseren Boden und unser Wasser gelangen. Sie können durch das Tierreich wandern, wenn Tiere Pflanzen fressen und größere Tiere kleinere fressen. Sobald sie in unserer Umwelt sind, können EDs durch Essen, Trinken oder Atmen in unseren eigenen Körper gelangen und sogar von der Mutter auf den Fötus oder das Kind übertragen werden.

Nach Angaben der Endocrine Society beeinträchtigen ED nachweislich die Gesundheit der weiblichen und männlichen Fortpflanzungsorgane und wird mit Fruchtbarkeitsstörungen, PCOS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs, Schilddrüsenerkrankungen, hormonell bedingte Krebserkrankungen, ADHS und Autismus sowie mit verstärkten neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht.

Wenn sie vom Körper aufgenommen werden, können EDs den normalen Hormonspiegel erhöhen oder senken, die natürlichen Hormone des Körpers imitieren oder die natürliche Hormonproduktion verändern. Diese Wirkungen können unmittelbar auftreten oder sich im Laufe der Zeit kumulieren. Nichtsdestotrotz können EDs das Fortpflanzungssystem in jeder Phase des Lebenszyklus von der Empfängnis bis zur Menopause beeinträchtigen und sich auf zukünftige Generationen auswirken.

PCOS, Fruchtbarkeit und endokrin wirksame Chemikalien

Aufgrund der hormonstörenden Wirkung sollten Frauen mit PCOS besonders aufpassen und Acht darauf geben.

Frauen mit PCOS sollten besonders auf die Exposition gegenüber EDs achten und darauf, wie diese die Fruchtbarkeit beeinflussen können. Laut einer veröffentlichten Studie (Kawa et al., 2019) war die BPA-Konzentration bei PCOS-Patientinnen deutlich höher als die von Nicht-PCOS-Patientinnen. EDs können erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen mit PCOS haben, da sie mit einem Anstieg von Östrogen und Testosteron, Gewichtszunahme und sogar dem Glukosestoffwechsel in Verbindung gebracht werden.

Es ist zwar unmöglich, die Exposition gegenüber EDs vollständig zu vermeiden, aber es ist ratsam, sie so weit wie möglich zu reduzieren, um das Risiko für Krankheiten und andere gesundheitliche Probleme zu verringern. Schwangere Frauen oder Frauen, die versuchen, schwanger zu werden, sollten besonders darauf achten, ihre Exposition gegenüber EDs zu verringern.

Es gibt einige Tipps, die du hier befolgen kannst:

  • Plastikflaschen meiden und lieber Glas verwenden
  • Bewahre Lebensmittel in Glas- oder Keramikbehältern auf
  • Erhitze niemals Lebensmittel in Plastikbehältern in der Mikrowelle
  • Kaufe Lebensmittel, die in BPA-freien Behältern abgefüllt sind 
  • Achte auf Inhaltsstoffe in deiner Kosmetik 
  • Bereite frische Lebensmittel zu, anstatt Fertiggerichte in Plastikbehältern zu verwenden
  • Achte auf Bio-Qualität

 

Quellen:

1 Gore AC, Chappell VA, Fenton SE, Flaws JA, Nadal A, Prins GS, Toppari J, Zoeller RT. EDC-2: The Endocrine Society’s Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals. Endocr Rev. 2015 Dec;36(6):E1-E150. doi: 10.1210/er.2015-1010. Epub 2015 Nov 6. PMID: 26544531; PMCID: PMC4702494.

2 Kawa, I. A., Masood, A., Ganie, M. A., Fatima, Q., Jeelani, H., Manzoor, S., … & Rashid, F. (2019). Bisphenol A (BPA) acts as an endocrine disruptor in women with Polycystic Ovary Syndrome: Hormonal and metabolic evaluation. Obesity Medicine, 14, 100090.

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